In Arcansa (USA) untersuchen gegenwärtig (März 2012) David Grand, Cynthia Schwartzberg und Deborah Antinori in einer fMRI Studie Brainspotting während des Scans. Es wird dabei die Hirnaktivität während einer psychotherapeutischen Behandlung mit Brainspotting gemessen, um neurobiologische Aufschlüsse über psychische Stressabnahme während einer Brainspotting Sitzung zu bekommen.
Neue Erkenntnisse aus der Neuroplastologie (siehe Video Link unterhalb) ermöglichen effiziente psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten mittels Brainspotting, wie z.B. Behandlung von OCD (obsessive compulsive disorder) obsessiven Zwangsstörungen. Norman Doidge, Jeffrey Schwartz und Sophia Vinogradov zeigen in einem eindrucksvollen Dokumentarvideo neue, vielversprechende Behandlungsmethoden von OCD, posttraumtischen Belastungsstörungen und Schizophrenie. Pie Frey aus Boulder (USA) entwickelte ein Brainspotting Verfahren, mithilfe dessen obsessive Zwangsstörungen erstmalig innerhalb von Monaten erfolgreich behandelt werden können. Aus diesem Grunde werden wir Dr. Frey 2013 für einen Workshop dazu einladen.
Klicken Sie auf das Video von dem bekannten Neuroplastologen Norman Doidge
So sieht ein Gehirnscan mithilfe bildgebender Verfahren heute aus: Meduni Wien Abt. Neuroforschung
In Österreich: beschäftigt sich der Wiener Psychotherapeut Thomas Weber mit neuronalen Prozessen von Brainspotting. Im Rahmen einer randomisierten Studie sollen Hirnaktivierungs-Eerinnerungen in der Therapie mit Brainspotting bei PTBS PatientInnen mit akuten Monotraumata mithilfe von Kernspintomographie untersucht werden. Das Studiendesign beinhaltet eine psycholgische Testung mit dem ETI (Essener Trauma Inventar), einer fMRI Diagnostik vor der Behandlung mit Brainspotting und einer fMRI Diagnostik nach erfolgter Behandlung. Laufzeit mit Vorstudie 2012-2015. Die Hypothese geht auf Studienergebnisse von Rauch, Shin und Phelps zurück (Rauch, Shin et al., 2006), die in einem ähnlichen Studiendesign zur Therapie mit EMDR forschten.
In Deutschland: arbeitet Prof. Mark Stemmler (Universität Erlangen) an einer Vergleichsstudie von EMDR und Brainspotting mit einer Pretest und Posttest Untersuchung. Ziel der Studie ist die Messung der Effektivität von Brainspotting. KlientInnen mit traumatischen Stresserfahrungen, die an einer PTBS oder akuten Belastungsstörung leiden, sollen jeweils mit EMDR oder Brainspotting behandelt werden. Nach 3 Therapiesitzungen werden die Ergebnisse ausgewertet und methodisch verglichen. Nach 6 Monaten nach der Behandlung nochmals.
Der Verhaltensbiologe und Hirnforscher Gerhard Roth beschäftigte sich eingehender mit der Willensfreiheit des Menschen. Vier Faktoren, die unsere Persönlichkeit und unser Handeln bestimmen, nämlich genetische Prädispositionen (Polymorphismen), Eigenheiten der Gehirnentwicklung, frühe vorgeburtliche psychosoziale Prägungen so wie Bindungserfahrung bis in die Adoleszenz. Zwischen diesen vier Hauptfaktoren besteht sowohl eine positiv wie auch negativ sich verstärkende Interaktion. Bei psychischen Erkrankungen einschließlich der Persönlichkeitsstörungen, zu denen auch antisoziales, gewalttätiges Verhalten gehört, zeigt sich am deutlichsten die Interaktion zwischen den oben genannten vier Faktoren, wobei der zweite Faktor (Gehirnentwicklung) und der dritte Faktor (frühe psychische Prägung und Bindungserfahrung) wohl die wichtigsten sind. Allerdings ist wirklich verlässliches Wissen über die Grundlagen psychischer Erkrankungen noch rar, weil es hier neben dem Mangel an einem guten »Tiermodell« noch große methodische Schwierigkeiten gibt– ganz abgesehen von der hohen individuellen Variabilität. Noch dramatischer sieht es bei der Frage aus, was genau im Gehirn eines Patienten abläuft, dessen Psychotherapie erfolgreich war – oder eben nicht. Hier ist das derzeitige Wissen noch unzulänglich, was zur Folge hat, dass bildgebende Hirnforschung noch intensiver vorangetrieben wird. Das Bemerkenswerte daran ist, dass heutzutage nicht mehr rein neurologisch und -anatomisch Hirnforschung betrieben wird, sondern interdisziplinär zusammen gearbeitet wird. Dazu sind Vertreter aus Disziplinen beteiligt, wie: Neurobiologie, Neuropsychologie, Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie, Physik und Informatik, Psychotherapie, Soziologie, Ökonomie bis hin zur Philosophie. Diese Interdisziplinarität schafft eine sinnvolle Balance gegenüber der Angstvorstellung eines »homo neurobiologicus«, dem physiologischen Menschen, determiniert durch seine Gehirnprozesse ohne Seele, Ich und freien Willen. Gerhard Roth's Gegenbild lautet: dass das Gehirn der Ort des Zusammenwirkens der vier Faktoren (genetische Anlagen, Gehirnentwicklung, vorgeburtliche psychosoziale Prägung und Bindungserfahrungen) und der aktuellen Einflüsse ist, und die Aussage »das Gehirn steuert unser Verhalten« nichts anderes bedeutet als, dass diese Faktoren das Gehirn beeinflußen und verändern. (zitiert aus: ROTH G. (2009), Aus Sicht des Gehirns. Frankfurt a.M.: Suhrkamp TB). Und an der Stelle setzt in der modernen Biologie die Epigenetik an. Eine neue Wissenschaft, die sich mit den Veränderungen menschlicher Zellen beschäftigt, die durch Umweltbedingungen und lebensverändernde Umstände nachweisbar entstehen. Es verlagerte sich die Meinung einer Unveränderbarkeit der genetischer Anlage beim Menschen (Genotypus) hin zur neuen Erkenntnis, dass Erfahrungen, die der Mensch in seiner Umwelt macht, seine Gene verändern können ohne dass Veränderungen in der Genkette (DNS) stattfinden. Denken wir nur an Menschen mit Schlaganfall, die dadruch halbseitig gelähmt worden sind. Mithilfe moderner Physiotherapie übernehmen andere Gehirnzellen gesund gebliebener Areale, die nicht für Motorik zuständig sind, die Aufgabe der motorischen Nervenzellen. Das heisst, durch intensives Training lernen menschliche Zellen um und übernehmen die Funktion inaktiver Zellen. Man nennt dies auch Neuroplastizität. Literatur dazu: Bernhard Kegel (2009), Epigenetik - Wie Erfahrungen vererbt werden. Köln: Dumont.



